Ein Pitch der besonderen Art – Allgäuer Gründerpreis 2016

Nur haarscharf sind wir beim Pitch auf der Allgäuer Gründerbühne am Sieg vorbei Zweiter geworden. Für uns trotzdem ein voller Erfolg: Wir konnten Echt dufte vor fast zweihundert Menschen präsentieren, haben dabei enormen Zuspruch und viele wertvolle Tipps bekommen.

Montagabend, 14.11.2016
Die zur schillernden Showbühne dekorierte Mensa der FH Kempten ist heute Ort einer ganz besonderen Veranstaltung. Der Saal füllt sich, die Bestuhlung für 150 Leute reicht nicht aus, so dass einige Besucher stehen müssen.

Auf einen kurzen Introfilm folgt die Begrüßung zur Allgäuer Gründerbühne duch Yvonne Keller mit nettem schweizer Akzent. Sie erläutert die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Gründern mit ihren zukunftsweisenden Ideen. Und damit Sinn und Zweck der Allgäuer Gründerbühne, die es heuer zum dritten Mal gibt. Mit ein paar Informationen zur Person stellt sie die fünf Jurymitglieder vor, die an einem eigenen, vorgerückten Tisch sitzen: Prof. Dr. Katrin Stefan (Hochschule Kempten), Bernd Kästner (HWK Schwaben), Gerhard Remmele (IHK Schwaben), Didi Hirsch (earebel), Sibylle Maag (Paradiesgarten Maag). Sie haben heute die schwierige Aufgabe, mit ihrem Wissen und Erfahrungsschatz die richtigen Fragen zu stellen, die fünf angetretenen Gründerfirmen fair zu prüfen und schließlich zu bewerten. Auch das Publikum darf mit entscheiden. Dann geht´s auch schon zur Sache.

Auf drei Bühnen präsentieren nun nacheinander die ersten drei Gründerteams ihre Geschäftsideen. Drei Minuten sind dabei das Zeitlimit. Jeweils direkt im Anschluss gibt es Fragen von der Jury und danach vom Publikum.

Es folgt eine kurze Pause mit Umbau.

Dann das vierte Unternehmen und als Team Nr. 5 sind nun wir an der Reihe. Es wird ernst, aber nicht für uns. Statt im Business-Stil präsentiert sich Echt dufte mit einem kleinen Theaterstück.

Verena und Falk sind in körperlange Stoffgewänder gehüllt. Bunte Muster verkörpern ihre Namen: Blümchen und Karo. Babsi, eine unserer nähenden Mamas, ist die Sprecherin. Mit einem großen Buch in der Hand. Wie eine Märchenerzählerin lässt sie wissen, dass Blümchen und Karo zwei alte Stoffe sind, die über zwanzig Jahre in einem dunklen Schrank lagen. Bis Echt dufte sie aus ihrem Dornröschenschlaf erweckte…

Blümchen ist quirlig-lebendig, Karo eher etwas steif und schüchtern. Im Dialog zwischen den beiden erfährt der Zuschauer, dass sie sich schon voll darauf freuen, durch in Heimarbeit nähende Mamas bald auch zu bunten, hübschen Stoffsäckchen zu werden. Um dann mit duftendem Bergwiesenheu gefüllt auf Reisen zu gehen: zu Menschen nach Hause und in Hotels, als Geschenk oder zur Erinnerung an einen tollen Allgäu-Urlaub. Bergwiesenduft zum wohligen Einschlafen und sogar zum Vertreiben von Kopfschmerzen. Durch den Geruchssinn weicht das Büro im Kopf einem Gefühl von Glück und Entspannung, erklärt Blümchen schwärmend.

Die Bühnendeko ist genau so bunt und schräg wie die Kostüme. Überdimensionale Papierblumen im Hintergrund, auf einen alten Heu-Heinzen aufgereihte Heusäckchen. Und davor ein überdimensioniertes XXL-Heusäckchen, darauf der Leitspruch „Mit Liebe von Hand im Allgäu gemacht“. Die drei Minuten sind um.

Dann hat die Jury auch an uns ein paar Fragen. Zuerst aber bekommen wir Lob für die besondere Darbietung. Was das besondere an Echt dufte ist, ob sich das Geschäftsmodell wohl tragen wird und wie lange so ein Säckchen duftet wollen sie wissen. Auch die Meinung, dass Echt dufte nicht typisch nach Allgäu klingt, wird geäußert.

Die erste Publikumsstimme versteht die Jury-Kritik am Namen nicht: Echt dufte als Name sei super, wie auch unser Auftritt. Ein anderer Zuschauer gibt die Anregung, auch Heu zum Austauschen anzubieten. Und eine weiterer Vorschlag aus der Menge ist, das Bergwiesenheu mehr in den Fokus zu rücken. Die letzte Frage zielt auf die Verträglichkeit von Heu bei Allergikern und ob wir dies bei unseren potentiellen Touristen als Käufern mit eingerechnet hätten. Wir schmunzeln und mutmaßen, ob nicht der Duft von Heu auch eine Art Therapie sein könnte?! Würden Allergiker denn überhaupt ins Allgäu kommen…?

Bevor es zu einer Entscheidung kommt, steht erst mal ein weiterer Programmpunkt an: Simon Schnetzer und Tom Herzhoff werden für Ihr Projekt Gründervilla ausgezeichnet. Wohlverdient bekommen sie den Preis „Land der Ideen„. Unter 1000 bundesweiten Bewerbern haben sie mit ihrem Konzept überzeugt und sind nun eine von 100 prämierten Ideen. Sie haben in Kempten einen Ort für Gründer geschaffen, an dem arbeiten und Co-Working Hand in Hand gehen. An dem durch regen Austausch Kontakte geknüpft werden und Veranstaltungen stattfinden können. Beide strahlen um die Wette, als sie die von Joachim Gauck persönlich signierte Urkunde und den Pokal in Händen halten.

Dann wird es spannend für uns Gründerpreis-Anwärter. Jury und Publikum haben inzwischen per Stimmzettel abgestimmt, die Auswertung steht. Nun also endlich das Ergebnis: Offenbar ging es ganz knapp aus, wird verkündet. Gewonnen hat den Allgäuer Gründerpreis 2016 die IT-Sicherheits-Firma sitehero. Echt dufte hätte ihnen um ein Haar den Titel strittig gemacht. Schade – aber egal! Wir freuen uns riesig, auch über den zweiten Platz.

Von allen Seiten hören wir Begeisterung über unseren wohl sehr gelungenen Auftritt. Sympathie haben wir damit auf alle Fälle reichlich und wir konnten zeigen, dass unser Konzept gut durchdacht und ehrlich ist. Mamas zu fairem Lohn Arbeit zu geben ist ein zentraler Teil davon. Aber auch, dass unser Anspruch regionale Wertschöpfung ist, die wir durch unser Produkt konsequent leben. Weil sie wichtig ist für das Gesicht von Wirtschaft, Menschen und Natur. Gerade im Allgäu, das für seine Ursprünglichkeit und Schönheit weit über seine Grenzen hinaus geschätzt wird.

Im Anschluss ergeben sich dann tolle Gespräche und Kontakte. Auch Didi Hirsch und Sibylle Maag aus der Jury wollen sich in Kürze mit uns treffen, um mit etwas mehr Zeit zu plaudern. Wir sind gespannt, von deren Erfahrungen mit ihren eigenen Gründungen und Produkten zu hören.

Unser herzlicher Dank gilt der Allgäu GmbH als Veranstalter sowie dem Fotografen Philip Herzhoff für die Bereitstellung der Fotos und natürlich allen Unterstützern für die großartige Möglichkeit, dass wir in diesem freundlichen Rahmen unsere Idee vorstellen durften!

Beflügelt arbeiten wir bereits an neuen Ideen. Echt dufte entwickelt sich weiter. In der Gewissheit, dass wir auf dem richtigen Weg sind…

fp