Die Allgäuerin zu Gast bei Echt dufte

Verena und Falk erzählen Monika Läufle von DIE ALLGÄUERIN was es mit dem Mamas Projekt auf sich hat. Warum sie es wichtig finden, Müttern eine sichere Arbeit zu geben und Bergbauern zu unterstützen. Welche Rolle der Geruchssinn für uns spielt und weshalb jedes Duftsäckchen wirkt wie eine kleine Dosis Wellness.

Mit freundlicher Genehmigung von DIE ALLGÄUERIN hier der vollständige Artikel:

Irgendwo in Altusried. Die Sonne strahlt. An dem Tisch vor einem alten, heimeligen Bauernhof sitzen Mamas und Papas bei Schokokuchen und Kräutertee beieinander. Es könnte so schön sein. Doch so schön ist es eben nicht immer. Verena Dorn schlägt in dieser Idylle ernste Töne an. Sie hat es schon oft im Bekanntenkreis erlebt: da sind talentierte, kluge Frauen – und weil die Unternehmen es nicht schaffen, flexible Teilzeitlösungen anzubieten, finden die jungen Mütter nach der Elternzeit keine Jobs mehr in ihrem alten Unternehmen. Hat die junge Mutter die Wahl zwischen Ganztagesjob oder Familie, wird sie sich oft für Letzteres entscheiden. Viele Firmen, findet Verena, machen es sich zu einfach. »Im Grunde«, bedauert sie, »wird in unserer Gesellschaft allgemein zu wenig für Mütter
getan.«

Und da Verena nicht der Typ ist, der nur schimpft, ergreift sie die Initiative und tut etwas dagegen. Nicht nur, weil sie seit kurzem selbst Mama einer kleinen Tochter ist, ist es für sie Ehrensache, sich für junge Mütter einzusetzen. Zwar kann sie »ihren« Müttern, die mit am Tisch sitzen, nicht deren alten Job anbieten, doch zumindest bei dem Teil mit dem Flexibel helfen.

Verena betreibt zusammen mit ihrem Partner Falk ein Grafikbüro. Im Rahmen einer Kunden-Kampagne hatten sie die Idee, Heusäckchen an verschiedene Allgäuer Gemeinden zu verschicken. Öffneten die Empfänger das Paket, roch es herrlich nach Heu. Man darf nicht unterschätzen, wie wichtig der Geruchssinn ist. Der Geruch von Heu weckt Erinnerungen – an die Kindheit, an den letzten Urlaub, an die Natur und an Sonnentage. Im Grunde ist an so einem Säckchen riechen mit einer kleinen Dosis Wellness vergleichbar. Ob als Weihnachtsgeschenk, als Kundengeschenk oder als Mitbringsel für Urlauber wäre das Säckchen doch eine schöne Idee, dachte sich das Paar und machte ein eigenes Projekt – das »Mamas-Projekt« aus der Sache. Als die Produktion begann, war für die beiden von Anfang an klar, dass es hochwertig und authentisch sein soll.

Das unbehandelte Heu bekommen sie von einer Bergbauernfamilie im Unterjoch. Dort wachsen verschiedenste Gräser und Heilkräuter wie Beifuß, Schafgarbe, Frauenmantel, Johanniskraut, Beinwell, Augentrost, Rotklee, Goldhafer, Spitzwegerich, Arnika, Ringelblume, Wiesensalbei, Kamille, Thymian, Dost und viele, viele andere.

Auch der Nachhaltigkeitsgedanke spielt bei den Säckchen eine Rolle. Eingepackt ist das Heu in Baumwoll- oder Leinenstoffen, die in ihren früheren Leben Tischdecken, Vorhänge oder Kittelschürzen waren. Und so gibt es gepunktete, gestreifte, karierte oder einfarbige Säckchen. Genau so individuell wie die Säckchen sind auch die Mütter. Unter den knapp zehn Mamas, die bis jetzt die Säckchen nähen und stopfen, ist eine gelernte Schneiderin, aber auch eine Mama mit ganz wenig Näherfahrung dabei, die sich extra für die Heusäckchen eine Nähmaschine angeschafft hat.

Es sind ganz junge Mütter dabei, aber auch Frauen, deren Kinder schon erwachsen sind. Gemein haben alle, dass sie zwei Sachen besonders schätzen: Sie können von daheim aus arbeiten und flexibel sein. Diese Kombination gibt es nicht oft. Genäht wird, wenn das Kind schläft oder anderweitig beschäftigt ist. Hier richtet sich die Arbeit nach dem Kind und nicht andersherum. So bereitet es Verena Dorn auch nicht allzu viele Bauchschmerzen, dass ihr Erspartes in dem Projekt steckt. Das Projekt haben sie erst Mitte 2016 gestartet. Klar, dass es erst noch richtig anlaufen muss, bis es sich rechnet. Egal, wie die Sache weitergeht. Verena Dorn ist überzeugt: das Geld ist gut angelegt und es profitieren Menschen davon, die es verdienen.

Text: Monika Läufle /
Fotos: Echt dufte; Monika Läufle

Der Artikel als PDF zum Download: interview_die-allgaeuerin